Ein paar Gedanken und „Schlagworte“ über die es sich lohnt nachzudenken:
Hund trifft Mensch
Es heißt ja immer Männer und Frauen seien von verschiedenen Planeten, vielleicht muss man dann sagen Hund und Mensch kommen aus unterschiedlichen Galaxien. So schlimm ist es wohl nicht, aber es gibt Unterschiede zwischen der Spezies Mensch und der des Hundes. Diese Unterschiede zu kennen und zu verstehen ist wichtig.
Viele Sachen sind für uns natürlich - im echten Sinne des Wortes- und für unsere Hunde sind sie schlicht unnatürlich.
Wenn wir unsere Zuneigung ausdrücken wollen, fassen wir uns an, wir küssen uns, wir nehmen einander in den Arm. Das sind Verhaltensweisen, die man auch bei unseren Verwandten den Menschenaffen sehen kann. Es sind wirklich tiefverwurzelte Ausdrucksformen. Bei unseren Hunden sind diese Gesten unbekannt und daher sehr befremdend, wenn man sie anwendet. Im schlimmsten Fall sind es wirklich Droh- oder Angriffsgesten. Alle Affen werden laut, wenn sie erregt sind. Auch Schimpansen werfen gerne mit Gegenständen wenn sie Frust haben. Haben Sie schon mal einen Hund einen Ball aus Frust werfen sehen? Wie müssen wir auf sie wirken, wenn wir das tun? Wahrscheinlich wie ein grünes Marsmännchen beim Versuch mit einer Banane zu telefonieren. Werden wir uns der Unterschiede und der Gemeinsamkeiten in unseren „Sprachen“ bewusst, können wir viele Missverständnisse vermeiden. Viel Verunsicherung und Angst auf beiden Seiten vorbeugen. Eine einfache Grundlage ist, sich seiner eigenen Körpersprache bewusst zu werden. Was macht mein Körper gerade, wie stehe ich, wie halte ich den Kopf…..
Das andere ist, die Körpersprache der Hunde kennen zu lernen. Die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaas hat in den 80iger Jahren eine Untersuchung bei Hunden begonnen, um herauszufinden, ob auch Hunde über Stopsignale, wie Wölfe, verfügen. Bis dahin war die allgemeine Auffassung, dass Hunde diese Signale nicht mehr haben. Turid Rugaas hat das Gegenteil zeigen können. Hunde verfügen sehr wohl über Signale, die der Konfliktvermeidung dienen. Sie nennt diese Signale Beschwichtigungssignale und konnte zeigen, dass sie in vielen verschiedenen Situationen angewendet werden.
Beschwichtigungssignale
Aus verschiedenen Forschungsarbeiten wusste man, dass es so genannte Cut-off Signale bei Wölfen gibt. Sie dienen der Konfliktvermeidung, da sie eine Auseinandersetzung beruhigen und beenden. Lange Zeit dachte man diese Signale seien durch die Domestizierung den Hunden verloren gegangen. Turid Rugaas konnte in ihren Untersuchen eindrücklich zeigen, dass auch Hunde Konflikte vermeiden. Auch sie verwenden dazu ritualisierte Signale. So genannte Beschwichtigungssignale. Diese Signale sind sehr unterschiedliche Mimiken und Gestiken. Allen gemeinsam ist, dass sie beruhigend wirken.
Hunde sind sehr gut darin Konflikten durch diese Körpersprache zu vermeiden. Sie werden in unterschiedlichen Situationen mit variierender Zielsetzung eingesetzt. Die Beschwichtigungsgesten sind ganz „normale“ Bewegungen. Dadurch übersieht man sie leicht, als Mensch.
Es gibt z.B. das Lippen lecken, das Kopf abdrehen, Zwinkern. Diese Gesten haben neben ihrer „normalen „Bedeutung, Auge reinigen, Umschauen, Schnauze säubern, auch einen Informationsgehalt. Sie können damit sich oder andere beruhigen.
In diesen Beispielen hier….
..... werden die Personen hinter der Kamera beschwichtigt.
Dann gibt es z.B. ein Steifwerden des Hundes, starkes Verlangsamen des Ganges und das Abwenden oder Rausgehen aus einer Situation/von einem Gegenüber weg.
Hier sieht man…
...........dass die erwachsene Hündin durch Abwenden, Steifwerden und langsame Bewegungen den Welpen zu beruhigen versucht und das Spiel beenden will.
Bei der ersten Begegnung wenden sich die Hunde zum Kennenlernen ab.
Das Wissen um die Kommunikation der Hunde untereinander eröffnet uns einen ganz anderen Einblick in ihr Verhalten. Wir beginnen zu verstehen, was passiert, wenn zwei Hunde sich begegnen. Wir können erkennen, dass der Hund sich in einer Situation nicht wohlfühlt. Das ist eine riesige Chance.
Lernen wir noch diese Beschwichtigungssignale anzuwenden, können wir dem Hund aus vielen schwierigen Situationen heraushelfen. Und unnötigen Stress und Ärger aus dem weg gehen.
Stress
Stress gibt es bei Hunden genau wie bei Menschen. Er ist in geringen Mengen unproblematisch und Hunde können gut damit umgehen. Eine gewisse Menge braucht der Körper auch, um mit neuen Situationen umzugehen, verteidigungsbereit zu werden und das Überleben zu sichern. Genau wie bei uns Menschen ist auch bei Hunden das Zuviel das Problem. Es führt zu verschiedenen Symptomen, angefangen bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie Durchfall, Augenentzündungen bis zu Verhaltensänderungen. Genau wie beim Menschen reagiert jeder Hund anders. Der eine wird von einer Situation gestresst, die für einen anderen Hund völlig in Ordnung ist. Genauso zeigt sich Stress bei jedem Hund in einer anderen Form. Um diese Fragestellung zu klären, muss man jeden einzelnen Hund, seine Vergangenheit und seine Lebensumstände betrachten. Vielen Hunden kann man durch Stressreduzierung helfen und man findet hier vielfach einen der Gründe für die entsprechenden Verhaltensprobleme.
3 Säulen des erfolgreichen Trainings
Die Arbeit mit Hunden kann nur dann erfolgreich sein, wenn man drei Bereiche beachtet. Diese Bereiche sind Management, Training und die Gesundheit. Sie sind die 3 Säulen des erfolgreichen Trainings. Möchte man ein Ziel mit einem Hund erreichen, unabhängig ob im klassischen Sinne im Hundesport oder in einer Verhaltenstherapie, so muss immer an allen 3 Säulen gearbeitet werden. Vernachlässigt man eine der Säulen, so kann man durchaus Erfolge haben, aber sie sind nicht optimal und stehen nicht auf einem soliden Fundament.
Folgende Beispiele sollen diesen Standpunkt verdeutlichen:
Das Ziel ist, ein Hund der sich schnell hinsetzt. Als erstes muss man sein Management überprüfen, kann der Hund sich richtig setzen, oder steht man ihm im Weg, kommt die Belohnung im richtigen Moment, wie ist die eigene Körperhaltung, sind die Kommandos eindeutig, erfolgt die Belohnung konsequent?! Dazu gehört die Überlegung, wie der Hund trainiert werden soll, was er schon kann. Was ist das Ziel, womit wird angefangen, wie wird es belohnt und wann, nach welcher Methode geht man vor. Dieses zur Säule Training. Und selbst hier darf man die Gesundheit nicht aussen vor lassen, kann der Hund überhaupt ein schnelles „Sitz“ machen, hat er ein Rückenproblem, wie alt ist er...
Möchte man ein problematisches Verhalten verändern, werden die Punkte umso wichtiger. Ein Hund verbellt andere Hunde, dieses Verhalten soll sich ändern, hier ist ebenfalls das Management wichtig, wie verhält man sich in welcher Situation, gibt es tägliche Routinen, die jetzt geändert werden müssen ? Wo ist die Leine, wie hält man den Hund, bestraft man das Tier versehentlich beim Belohnen, weil ihm die Leine jedes Mal gegen den Kopf haut?! Zum Training selber: In welcher Reihenfolge muss vorgegangen/gearbeitet werden, wo sind vor allem die Ursachen eines „Fehlverhaltens“, wo liegt die Angstschwelle des Hundes, wie trainiert man, mit welcher Methode, was ist das Ziel und wie wird begonnen ? Auch hier ist es sehr wichtig die Gesundheit des Hundes zu beachten, viele Verhaltenstherapien beginnen mit einem Tierarztcheck. Hat mein Hund Schmerzen, leidet er unter Stress?
Beachtet man alle diese Punkte und arbeitet man systematisch an dem „Problem“, kann man langfristig sehr gute Erfolge erzielen, die auch halten was sie versprechen.